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Zeitzeuge
GRETEL DESCH, geb. Gries
Interview mit dem ältesten Mitglied des BSC
PAUL HENNINGSEN:
Gretel, Du bist im Jahre 1906 geboren und schon 1920 in unseren Verein
eingetreten - damit bist Du unser ältestes Mitglied. Am Ende des 1.
Weltkrieges warst Du 12 Jahre. Hast Du noch Erinnerungen daran und wie bist Du
zum BSC gekommen?
GRETEL DESCH:
Ich war 14, als mein Bruder Fritz, der schon 2 Jahre im Verein war, mich
mit auf den Sportplatz genommen hat. An das Ende des 1. Weltkrieges habe ich
sonst keine Erinnerungen, außer daß wir alle sehr hungern mußten.
PAUL HENNINGSEN:
Kannst Du Dich an den Sportplatz zum Anfang der 20-iger Jahre noch erinnern?
GRETEL DESCH:
Der BSC verfügte nach meiner Erinnerung über kein eigenes Sportgelände. Die
Stadt Offenbach stellte uns dann ein Gelände auf der Rosenhöhe zur Verfügung.
Alle Mitglieder, die arbeitslos waren, wurden aufgefordert, diese Kiesgrube
aufzufüllen. So entstand unter mühsamer Arbeit der jetzige Sportplatz.
PAUL HENNINGSEN:
In der Bestenliste der Leichtathletik-Abteilung steht Deine Zeit von 2:40
Minuten über die 800 Meter unverändert aus dem Jahre 1929. Du warst auch
Kreismeisterin im Diskus. Wenn ich sehe, wie heute die Leichtathletinnen mit
hautengen Trikots an den Start gehen, wie war das damals bei Euch? Hast Du
noch Urkunden oder Pokale aus der aktiven Zeit?
GRETEL DESCH:
Ich trug damals ein schwarzes Höschen und ein weißes Oberteil, beides von
der Mutter genäht, und dazu braune Leinenturnschuhe. Alle Urkunden und Pokale
wurden durch die Luftangriffe auf unsere Stadt zerstört.
PAUL HENNINGSEN:
Bis wann bist Du in der Leichtathletik aktiv geblieben und wie ging es danach
im Sport weiter?
GRETEL DESCH:
Nach dem Krieg übte ich nur noch Gymnastik aus. Mit 78 Jahren habe ich aber
1982 noch das Goldene Sportabzeichen gemacht.
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PAUL HENNINGSEN:
Das ist eine ganz tolle Leistung, Gretel!
Es gab 1933 den politischen Umbruch und Du warst 27 Jahre. Kannst Du Dich
erinnern, ob und welche Veränderungen es im Verein gegeben hat; haben
Mitglieder den Verein verlassen oder gar verlassen müssen?
GRETEL DESCH:
Ja, es haben Mitglieder den Verein verlassen. Genau weiß ich nur, daß
Siegbert Engländer von der Rugby-Abteilung Deutschland als Jude verlassen hat
und nach Amerika ging. Viele andere Sportkameraden sind aus dem Krieg nicht
wieder zurückgekommen.
PAUL HENNINGSEN:
Du bist nun 78 Jahre im BSC - was hat Dich so lange gebunden?
GRETEL DESCH:
Die Verbundenheit mit dem BSC resultiert daraus, daß mein Schwager Kurt
Stein fast 20 Jahre 1.Vorsitzender des BSC war, meine Nichte Ingrid noch immer
eine Führungsposition in der Gymnastik einnimmt und auch meine Schwester Paula
noch im Verein ist.
PAUL HENNINGSEN:
Seit einigen Jahren wohnst Du unmittelbar gegenüber unserer Platzanlage und
kannst den Sportbetrieb täglich verfolgen - was bewegt Dich dabei?
GRETEL DESCH:
Es tut mit leid, daß ich keine Runden mehr auf der Laufbahn drehen kann,
wirklich!
Ansonsten verfolge ich das sportliche Geschehen in der Offenbach-Post und freu
mich wenn ich sehe, wie eifrig die Buben beim Fußball-Training sind und noch
Betrieb im Verein ist!
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