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100 Jahre BSC - und davon, ein genaues Datum
ist nicht bekannt, ca. 70 Jahre Tennisbetrieb; ein Grund, sich mal wieder mit
der vergangenen Entwicklung und den heutigen Gegebenheiten zu beschäftigen!
Wir haben versucht, aus Unterlagen, die uns freundlicherweise mehrere
Mitglieder zur Verfügung stellten, ein paar Daten des Vereinslebens zu
skizzieren. Unser Bericht erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.
Die
Zeit vor 1945
Erinnern wir an das
Tennisspielen vor dem Ende des zweiten Weltkriegs:
ab 1934 standen zwei Plätze zur Verfügung, Abteilungsleiter war damals Herr
Rudolph, ein Mann, der als gewichtige Respektsperson und als Tennisspieler
“alter Schule” beschrieben wird. Ludwig Schneider war für die Tennisplätze
sowohl im technischen als auch im sportlichen Bereich zuständig; er betreute
die Anlage auch kommerziell, und mit den gezahlten Beiträgen, bzw. anderen
Einnahmen soll er quasi seinen Lebensunterhalt gesichert haben.
Von einem „Vereinshaus“ konnte man damals noch nicht sprechen. Lediglich eine
Art Schuppen existierte, der zur Unterbringung von Geräten diente, auch als
Schutz gegen Regen und zum Umkleiden für Spielerinnen und Spieler. Ein Vorhang
als “Raumteiler” sorgte dafür, daß die Damen von den Herren bei diesem intimen
Vorgang nicht gesehen wurden (und umgekehrt!). Zur Erfrischung stand eine
Waschschüssel bereit, Toiletten gab es noch nicht. Später wurde an der
Holzhütte eine Laube angebaut, in der man nach dem Tennis das Vereinsleben
genießen und Skat spielen konnte.
Die einfachen Bedingungen hinderten die Sportler nicht daran, großartige
Erfolge zu erzielen. So gewann Ernst Nothacker die Stadtmeisterschaft der
Offenbacher, und das Doppel Ernst Nothacker / Heini Stille war, so berichtet
ein Chronist, nicht zu schlagen.
Die Spieler fuhren mit dem Fahrrad, der Straßen- oder Eisenbahn zu den
Turnieren; der erste Besitzer eines Automobils im Verein war ... ja, Ernst
Nothacker!
1939 sollen bereits 3 Plätze vorhanden gewesen sein, bei 75 Mitgliedern gute
Bedingungen; die sportlichen Erfolge hatten sich herumgesprochen, und so
fanden auch aus anderen Vereinen einige Spieler den Weg zum BSC.
Die Zeit des Krieges von 1939-45 und ihre schrecklichen Auswirkungen in allen
Bereichen des Lebens ließ erst nach der Währungsreform 1949 wieder
Spielbetrieb zu. Die Plätze waren von Bomben zerstört und mußten erst wieder
hergerichtet werden.
Von 1945 bis heute
Am 11.9.49 finden im Rahmen
des 50-jährigen Jubiläums mehrere Spiele sämtlicher Abteilungen des BSC statt,
u.a. ein Tennisturnier gegen die SG Rosenhöhe.
1949 werden auch die ersten Verbandsspiele nach dem Krieg ausgetragen. Stetig
ist man bemüht, die Anlage zu vergrößern und zu verschönern; so wird 1950 eine
neue Tennishütte gebaut, ein weiterer Platz 1952 in Betrieb genommen. Bis
Frühjahr 1956 richten die Mitglieder die Anlage in Eigenarbeit für den
Spielbetrieb her, erst 1956 beauftragt man einen Fachbetrieb, der auf Platz 1
versuchsweise eine Bandmarkierung legt: die anderen Plätze werden weiterhin,
wie damals üblich “abgestreut”. Auf Platz 5 kann man seit 1960 spielen, und
mit einer Erweiterung dieses Platzes 1962 hat dann der “Endausbau”
stattgefunden.
Im März 1966 feiern die Mitglieder die Einweihung unseres Vereinshauses.
Dieses Projekt soll damals ca. DM 20.000 gekostet haben.
Zum Thema “Mitgliederbewegung” konnten wir den uns vorliegenden Unterlagen
entnehmen, daß deren Anzahl ab 1957 rapide zunimmt. Die Höchstzahl wird
1973/74 mit 426 ! Mitgliedern angegeben. Somit ist die Tennisabteilung
vorübergehend die größte Abteilung des BSC.
Die Höhepunkte an sportlichen Erfolgen erzielten die Tennisspieler und
-spielerinnen zwischen 1954 und 1977; sie beteiligten sich an Hessischen,
Bezirks- und Stadtmeisterschaften.
Wir hoffen, die uns übergebene nachfolgende Liste hat auch niemanden der
aktiven Mitglieder vergessen!
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Die Tennis-Abteilung bei der feuchtfröhlichen
Saisoneröffnung 1998
Immer wieder, auch jetzt wegen gestiegener
Mitgliederzahlen, versuchen engagierte Vorstände, die Kapazitäten der Anlage
zu vergrößern, zusätzliche Plätze zu schaffen, jedoch scheitern die Pläne z.B.
an Vorgaben des Naturschutzes und, last not least, an der dünnen Finanzdecke.
Gleichfalls in den mitgliederstarken 70er Jahren beschäftigt sich die
Tennisabteilung mit Gedanken zur Kapazitätserweiterung des Spielbetriebs,
deren Ausgang allerdings teilweise abenteuerlich genannt werden kann:
Flutlichtanlage:
wegen der Mehrkosten von DM 30.000 wird letztlich dieses Projekt verworfen;
die Sockel für die Flutlichtmasten sind damals installiert worden und ruhen
noch heute unter der roten Erde.
Einrichtung eines Zelts in den Wintermonaten:
die Abteilung kauft von einem Schaustellerbetrieb ein großes Zelt und baut es
auf Platz 1 auf. Leider bricht es nach einem heftigen Sturm unter der Last der
Schneemassen zusammen, so daß sich keine weiteren Befürworter für diese
“BSC-Winterlösung” mehr mobilisieren lassen.
Anschaffung einer Traglufthalle:
durch Mitgliederdarlehen eröffnet sich die Möglichkeit, den Betrieb einer
solchen Halle, Kaufpreis ca. DM 70.000, zu finanzieren. Von 1973-79 können so
im Winter in eigener Halle u.a. Mannschafts- und Jugendtraining durchgeführt
werden.
Am 11.12.79 ereilt auch
diese Halle ein tragisches Schicksal, Ursache ist ein nächtlicher Sturm, der
sie zusammenbrechen läßt. Die Schäden sind so erheblich, daß eine Reparatur
mit anschließendem Neuaufbau sich nicht lohnen.
Bekanntlich zeichnete sich bereits in den 70er Jahren, die als “Boomzeit” des
Tennis gelten, ein Trend zu neuen Vereinsgründungen ab, so daß diese
Entwicklung auch an uns nicht spurlos vorüber gehen konnte.
Die 80er Jahre sind von Mitgliederschwund geprägt, wodurch weiteren Phantasien
in Richtung Kapazitätserweiterung natürliche Grenzen gesetzt werden. Dies
trifft nach unserer Meinung noch für die heutige Situation zu. Die
gesellschaftlichen Umbrüche der letzten Jahre mit ihrer vielfältigen
Angebotsstruktur im kommerzialisierten Freizeitbereich wirken sich ebenfalls
auf die Anzahl der Mitglieder und ihre Zusammensetzung aus. Die Vorstände
bemühen sich, den Zustand der Anlage möglichst auf gleichem Level zu halten
und das Vereinsleben zu fördern. Im sportlichen Bereich gibt es nach wie vor
Erfolge; die Mannschaften spielen auf Bezirks- und Kreisebene, bei
Stadtmeisterschaften werden Titel errungen.
In all den Jahren seit Abteilungsgründung gehörte es zu den Aufgaben der
jeweiligen Abteilungsleiter und ihrer Vorstände, unter wechselnden
gesellschaftspolitischen Bedingungen verantwortungsbewußte Vereinsarbeit zu
leisten. In diesem Zusammenhang möchten wir insbesondere die Abteilungsleiter
nennen, die die Geschicke der Tennisabteilung von 1948-1998 gelenkt haben und
nach wie vor lenken.
Was die Zukunft betrifft, so sollten u.E. keine unrealistischen Erwartungen an
steigende Mitgliederzahlen oder an höhere sportliche Erfolge gestellt werden.
Angesichts des uns vorliegenden Materials glauben wir, daß der Verein - und
die Tennisabteilung als Teil davon - sich in der Gesellschaft einen festen
Platz erworben und sich damit etabliert hat; natürlich nicht mehr im früheren
Sinn, den viele Mitglieder noch gut in Erinnerung haben.
Aber Tennis spielen im Verein bedeutet, so meinen wir, eine Möglichkeit
den Wettkampf im sportlichen zu suchen, sich darin zu behaupten, Beziehungen
zu pflegen und in einem verbindlicheren Rahmen einen Teil der so kostbar
gewordenen Freizeit zu erleben.
Jutta Erdniß
Ulrike Schmidt Michael Völkel |